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Sensibler Vortrag fand viel Zuspruch

Das Katholische Bildungswerk Langenlois unter der Obfrau Dr. Charlotte Ennser hat sich am Montag, dem 5. November 2018, ein schwieriges, aber ganz wichtiges Thema vorgenommen.
An diesem Abend berichtete Dr. Doris Steiner über besondere Schicksale unter dem Vortragstitel "Jüdische Mitbewohner in Langenlois -  geduldet, vertrieben, gerettet." 
Beleuchtet wurden wichtige Abschnitte der jüngeren Geschichte Langenlois. Der Besuch von weit mehr als 100 Besuchern bewies, dass das Interesse an der Stadtgeschichte sehr groß ist.

Die Kulturwochen das Langenloiser Herbstes bieten bereits die nächste Veranstaltung an.
Das Katholische Bildungswerk Langenlois lädt zu einem sensiblen Vortrag ein.
Viele Interessierte sind dazu in den Arkadensaal gekommen.
Auch die Mandatare des Gemeinderates ...
... sind aus allen Fraktionen vertreten.
Christian Rauscher vom Langenloiser Club of Roma freut sich besonders...
... denn der Reinerlös dieser Veranstaltung wird seiner Hilfsorganisation zur Verfügung gestellt.
Wer sich für interessante Heimatlektüre interessiert...
... hat eine große Auswahl am Büchertisch des Waldviertler Heimatbundes.
Dr. Charlotte Ennser begrüßt die vielen interessierten Gäste herzlich und erklärt dazu: "Manche Leute haben im Vorfeld zu dieser Veranstaltung signalisiert: 'Warum lasst ihr die Vergangenheit nicht ruhen, warum rührt ihr herum in einer Epoche, die wehtut, wo die Geschichte schmerzlich ist, wo es Versagen und Schuld gegeben hat. Seien wir doch froh, dass diese Zeiten vorbei sind.' Es gibt aber einige Argumente, die gegen diese Haltung sprechen. Zum einen die wissenschaftliche Neugier, die lässt sich nicht einbremsen, auch nicht von negativen Stellungnahmen. Ein weiteres Argument ist: "Was man tabuisiert, was man verschweigen will, das kommt oft in einer Ungestalt wieder, die man lieber nicht haben will." Irgendwann bricht es dann vielleicht unkontrolliert auf und macht Probleme. Wenn man Klarheit haben will, muss man Fragen zulassen und diese behutsam und sorgfältig untersuchen. Warum sollte man nicht darüber sprechen? Wann denn sollte man darüber sprechen? Spätestens jetzt, nach 80 Jahren Republik. Es gibt kaum mehr Täter, auch die Zahl der Opfer ist ja schon sehr reduziert. Wenn wir heute darüber sprechen, dann dürfen wir sehr wohl Recht und Unrecht benennen. Wir setzen uns aber in erster Linie mit dem Schicksal der verfolgten Mitbürgerinnen und Mitbürger auseinander und versuchen, ihre Situation zu verstehen. Nicht die Täter, sondern die Opfer stehen im Mittelpunkt dieses heutigen Abends. Vielleicht kann ihnen dieses, unser Interesse, ihr Besuch, ein ganz klein wenig von ihrer Würde zurückgeben, die ihnen damals geraubt wurde. Wir wollen es aber vermeiden, uns zu Richtern über einzelne Menschen aufzuspielen. Wer von uns weiß, wie er oder sie damals gehandelt hätte. Unser Hauptziel am heutigen Abend ist also nicht die moralische Entrüstung oder Verurteilung, sondern ein Verstehen der Zusammenhänge, ein Hellhörigwerden für gefährliche Entwicklungen, gesellschaftliche Ausgrenzungen und ideologische Verhärtungen. Es gibt Menschen, die damals, wie heute, an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden und werden. Bekanntlich sind zwar die Juden die größte Gruppe unter den Opfern, aber es gab in der NS-Zeit auch verfolgte Roma, Sinti, Zeugen Jehovas, Homosexzelle, Priester, Ordensleute, politisch anders Denkende, die für ihr „So-Sein“ und für ihre Überzeugung ihr Leben lassen oder gravierende Nachteile hinnehmen mussten.
Deswegen haben wir den Reinerlös dieser Veranstaltung einer auch heute benachteiligten Gruppe gewidmet und gleichzeitig einem Langenloiser Projekt, dem „Club of Roma“, das uns tief beeindruckt.
Diese Langenloiser Gruppe um Christian Rauscher fährt regelmäßig nach Nordost-Ungarn, um dort Hilfe vor Ort in einer Romasiedlung zu leisten. Auch die Referentin nimmt kein Honorar entgegen und stellt es diesem Projekt zur Verfügung."
Zu diesem speziellen Thema ist auch Stadtpfarrer Mag. Jacek Zelek...
... Bürgermeister Mag. Harald LEOPOLD, Vizebürgermeister Ing. Leopold Groiß und Kulturstadträtin Mag. Brigitte Reiter gekommen. Alle Besucher setzen damit ein wichtiges Zeichen.
Diese sensible Geschichte der Vergangenheit hat Dr. Doris Steiner, einst in Langenlois aufgewachsen, recherchiert.
Dr. Steiner hat auch zum Buch "Jüdische Familien im Waldviertel und ihr Schicksal", herausgegeben vom Kunsthistoriker Dr. Friedrich Polleroß, einen wesentlichen Beitrag geleistet. Darin wird unter anderem dokumentiert, was heute Thema ist.
Langenlois war schon immer attraktiv für jüdische Händler, weil der Ort verkehrstechnisch günstig liegt. Daher siedelten sich immer wieder jüdische Händlerfamilien an, die hier jahre- bzw. jahrzehntelang hier wohnten. Zunächst wurden sie akzeptiert oder zumindest geduldet, bis sie ab den 1880-Jahren durch die deutsch-nationale Partei Schönerers, die christlichsoziale Partei Luegers und schließlich durch die NSDAP zunehmend angefeindet wurden und sich bedroht fühlten.
Volksschulmatriken und Volkszählungsbögen im Stadtarchiv sind die Hauptquellen der Recherchen über die hier einst anwesenden Juden.
Die jüdische Gemeinde in Langenlois war eine mit Abstand der wohlhabendsten in Niederösterreich, sie besaßen drei Häuser, alle drei in der Walterstraße, eines davon war auch das jüdische Bethaus und sie hatten auch einen Friedhof. Dieser befand sich an der Ecke Dimmelgraben/Spiegelweg (nächst dem "Hiedler-Schlössl").
Es folgten viele interessante ...
... aber auch traurige Details über jüdische Familien in Langenlois.
28 Personen hielten sich im letzten Kriegsjahr in Langenlois und wurden von Ing. August Kargl vor dem Konzentrationslager gerettet.
Vier Familien verdanken ihm sein Leben, die wegen des großen Arbeitskräftemangels als Zwangsarbeiter abgestellt wurden. Agnes Goldstein, die heute noch lebt, war damals dabei und arbeitete im Ziegelwerk Kargl. Die Verpflegung war sehr gut, erinnert sich diese Dame, die Baumeister Kargl oft auch persönlich mit dem Motorrad ins Werksgelände, auf die Felder und in die Weingärten brachte. Er behandelte die Zwangsarbeiter freundlich und menschlich, er brachte ihnen sogar eine gewisse Wertschätzung entgegen und gab ihnen sogar am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur arbeitsfrei.
Diese Möbel erinnern an diese Zeit, die von einem jüdischen Tischler gezimmert und von der Schwester von Frau Goldstein bemalt wurden.
Und diese Erinnerungsstücke werden noch heute in der Familie Kargl wie ein Schatz gehütet.
In der anschließenden kurzen "Fragestunde"...
... schildern einige Gäste ihre Eindrücke zu diesen zum Teil sehr bewegenden Geschichten. Andreas Steinert, gebürtiger Nürnberger, hat sehr viel mitgenommen von diesem Vortrag. Er wünscht sich, dass man von Ehrungen von Menschen, die Verbrechen begangen bzw. mit Verbrechern zusammengearbeitet haben, Abstand nehmen sollte. Und er regt eine Gedenktafel für Kargl an. Diese Empfehlung wird sogleich an die Vertreter der Stadt weitergegeben.
Auch Kulturstadträtin Mag. Brigitte Reiter war sehr betroffen zu erfahren, wie verschieden sich diese Jahre bei uns ausgewirkt haben. Man soll aber nicht schwarz-weiß malen, sondern versuchen, mehrere Facetten aufzuzeigen. Es gibt vieles, worüber man nachdenken kann, vieles, was betroffen macht aber es gab in diesen überaus dunklen Zeiten Menschen, die Mut an den Tag legten, die sich etwas trauten. Man darf sich daher auch heute nicht entmutigen lassen und jeder sollte auf sein Gewissen hören. Betreffend Straßenumbenennungen ist es damit nicht immer getan, weil man die Geschichte dann aus der Aufmerksamkeit einfach wegnimmt. Sie stellt sich aber dieser Diskussion und wird diese Anregung in den Stadt- und Gemeinderat mitnehmen.
Dr. Charlotte Ennser bedankt sich bei der Referentin Dr. Doris Steiner für diesen interessanten Vortrag...
... und lädt gleich zur nächsten spannenden Diskussionsrunde bei den "Langenloiser Dialogen" ein, die sich mit einem ähnlich aktuellen Thema der Gegenwart beschäftigt.
Im Anschluss stand die Vortragende noch gerne für weitere Informationen bereit.
Es wurde in allen Saalecken noch fleißig weiterdiskutiert...
Das obligate Pressefoto mit den Veranstaltern ist noch wichtig!
Die kulinarische Umrahmung dieses Abends übernahm das Weingut Manfred und Anita Gruber aus Mittelberg mit kirchlichem Beistand von Pastoralassistent Hannes Leitner.



Fotos: Ulli Paur


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