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Langenloiser Dialoge - Droge Alkohol?

Der Verein LaKult, die Stadtbücherei und das Katholische Bildungswerk Langenlois wählten heuer für die "Langenloiser Dialoge 2019" ein heißes und oft tabuisiertes Thema, nämlich "Droge Alkohol?" 
Gerade in der größten Weinstadt Österreichs, deren wirtschaftliche Grundlagen jahrhundertelang vom Weinbau bestimmt wurden und die auch heute vom Wein, seiner Kultur und seiner Vermarktung lebt, ist es nicht selbstverständlich, sich auch mit den Schattenseiten des Alkoholkonsums (Sucht und Abhängigkeit) auseinanderzusetzen.
Neben Vertreter der Weinwirtschaft kamen in der überaus interessanten Podiums- und Publikumsdiskussion am 5. November 2019 im Langenloiser Arkadensaal auch Mediziner und Betroffene zu Wort.

Brisant - aber extrem interessant war das Thema bei den Langenloiser Dialogen.
Über das Genussmittel Wein gäbe es so viel zu sagen und wer weiß, ob nicht der Satz von Wilhelm Busch so manchem aus der Seele spricht - sowohl im positiven, als auch im negativen Sinn: "Ein Trinkgefäß, sobald es leer, macht keine rechte Freude mehr."
Und genau diesen Knackpunkt gilt es zu erkennen, der zwischen Genuss und Abhängigkeit liegt.
Ingeborg Pröglhöf-Klein als eine der drei Veranstalter begrüßt die Gäste mit dem Zitat: In vino veritas. Und diese These, die auch der Geschichtsschreiber Tarcitus bestätigt, weil er meint, dass Betrunkene nicht lügen können, will man heute gemeinsam ergründen.
Mag. Dr. Charlotte Ennser, Obfrau des Katholischen Bildungswerkes Langenlois, wird den Abend moderieren und weist darauf hin, dass bei den Langenloiser Dialogen immer kontroversielle Themen diskutiert werden. Das fand bisher immer sehr guten Anklang. Und allen kritischen Anfragen betreffend das heutige Thema "Alkohol Droge?" zum Trotz stehen die Veranstalter dazu, denn Diskussion, Dialoge und Gespräche sind ein Zeichen von gelebter Demokratie.
Sie stellt die Podiumsmitglieder vor...
Die Einführung zu diesem sensiblen Thema kommt von ...
… Wolfgang Schwarz, Geschäftsführer der Ursin Haus Vinothek & Tourismusservice GmbH.
Interessante Daten und Fakten zum Wein werden von ihm erörtert und der wirtschaftliche Aspekt und die Bedeutung des Weinbaues unterstrichen.
Er hebt neben den vielen Winzern auch die TOP-Weingüter, die LOISIUM Weinerlebniswelt, das URSIN Haus, die Veranstaltungen rund um den Wein, wie Weinfrühling und Kostbares Kamptal sowie die Kellergassenfeste hervor, die rund ums Jahr eine immense wirtschaftliche und touristische Bedeutung haben. Mit rund 450.000 Tagesgästen liegt die Wertschöpfung mit Übernachtung und Einkauf in Langenlois bei zirka 30 Millionen Euro.
Detail am Rande: Im aktuellen Langenloiser-Herbst-Folder wird heuer zu 30 Veranstaltungen eingeladen, bei 15 Veranstaltungen steht dabei, dass auch Wein angeboten wird, bei zehn Veranstaltungen weiß man, dass es Wein gibt (obwohl nicht angeführt). Dies beweist, dass Wein in Langenlois einfach ein beliebter Begleiter ist.
Dr. Thomas Legl, Klinischer- und Gesundheitspsychologe, vom "Therapiesalon im Wald" stellt eine andere Sichtweise auf das Thema Alkohol dar. Er weist darauf hin, dass mit dem Wort "Droge" meist Negatives verbunden wird, mit dem Wort Alkohol wiederum eher Positives. Obwohl es sich bei Alkohol und Nikotin um legale Drogen handelt, treten damit die meisten Probleme auf. Das Wichtigste bei diesen beiden Substanzen ist es, eine genussfähige Form zu finden, die uns noch gut tut. Die Gefahr von Abhängigkeit, Krankheit und Sucht ist aber immer groß. Bei der Behandlung von Alkoholproblemen gibt es oft schlechte Prognosen, weil der Therapierte nach seiner Entlassung immer wieder mit Alkohol konfrontiert wird. Man braucht ja nur in ein Geschäft gehen und schon wir der Kunde in den Getränkeregalen und bei der Kasse mit Alkohol "gelockt". Warum dort kleine Fläschchen Underberg neben Schokoraderiegel stehen müssen, darf man sehr wohl hinterfragen.
Viel interessantes Hintergrundwissen wird bei seinem Vortrag vermittelt, denn man unterscheidet zum Beispiel zwischen trockenen und nassen Kulturen, wobei bei letzteren Alkohol immer Teil des Alltags ist und auch regelmäßiger Bestandteil des Essens ist.
Nach diversen Statistiken erfährt man von ihm auch die dunklen Seiten des Alkoholkonsums, der bei unkontrolliertem Genuss schwere körperliche Schäden anrichtet und ein furchtbarer Leidensweg beginnt.
Österreich liegt in der Statistik weltweit unter den ersten Zehn beim Alkohol-pro-Kopf-Konsum.
Diese Obergrenzen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol sollte man überdenken:
Frauen: täglich maximal 0,5 l Bier oder 0,2 l Wein bzw. Sekt oder drei einfach 40 %ige Schnäpse
Männer: die anderthalbfache Menge
Außerdem werden ein bis zwei abstinente Tage pro Woche empfohlen!
Die Podiumsteilnehmer sind unter anderem MR Dr. Josef Knappm Dr. Thomas Legl, Winzerin Barbara Öhlzelt und Wolfgang Schwarz.
Außerdem berichten zwei betroffene trockene Alkoholiker, die anonym bleiben wollen, über ihr Schicksal. Mit der Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker haben sie es Gott sei Dank geschafft, wieder einen neuen lebenswerten Weg zu beschreiten. Geholfen haben ihnen dabei die "zwölf Schritte und Traditionen" und sie wissen, dass Lebensfreude auch ohne Alkohol möglich ist.
Ihr Weg zum Alkohol und wieder weg davon war ein extrem harter und ihre Erfahrungen...
… machen nicht nur das Publikum ziemlich betroffen.
Nach wie vor bewirbt die Wirtschaft aggressiv zum Beispiel Alkopops für Jugendliche - Nikotinwerbung wiederum musste eingestellt werden. Durch diese Einschränkung ist die Anzahl der Raucher in Europa massiv gesunken.
Fest steht, dass Wasser ist immer noch das gesündeste, wichtigste und wertvollste Lebensmittel. Medizinalrat Dr. Josef Knapp (früher Gemeindearzt in Haitzendorf). Er, der leider auch alkoholkranke Patienten betreuen musste, beleuchtet die medizinische Seite dieses Problems. Da es die Leber nur schafft, 10 Gramm Alkohol pro Stunde abzubauen, kann man sich ausrechnen, wie lange dieser Prozess bei nur einer Bouteille Wein dauert. Vor allem Leber, Bauchspeicheldrüse und Gehirn werden durch zuviel Alkoholkonsum beeinträchtigt.
Moderates Genießen steht auch im Vordergrund der berufenen Winzerin Barbara Öhlzelt aus Zöbing, die vom und für den Wein lebt. Für sie ist es etwas ganz besonderes, mit Trauben und Wein zu arbeiten. Sie hat aber zum Wein noch eine zweite alkoholfreie Schiene gefunden und wurde mit der Idee ihres Gatten Karl Schwillinsky zur größten Verjus-Produzentin Österreichs. Verjus ist ein alkoholfreier saurer Traubensaft, den man in erster Linie zum Kochen verwendet (zum Säuern statt Weinessig oder Zitrone). Er eignet sich aber auch vorzüglich als Erfrischungsgetränk.
Sie kennt auch die zweite Seite aus der Gastronomie, da sie im Betrieb ihres Gatten mitarbeitet, hier Alkohol ein wichtiger Bestandteil ist, der natürlich auch zum Problem werden kann, wenn man ihn unkontrolliert zu sich nimmt.
Dem Publikum wurden jetzt viele interessante und unterschiedliche Sichtweisen zum Thema Alkohol präsentiert.
Es wurde auch noch das Problem erörtert, das sich für die betroffenen Angehörigen stellt.
Schamgefühle bergen automatisch die Vertuschungsgefahr in sich - die Angehörigen kommen in eine Koabhängigkeit zum Alkoholkranken. Daher ist es besonders wichtig, diese in eine Therapie miteinzubeziehen.
In der anschließenden Diskussionsrunde...
… tragen auch die Gäste mit ...
… ihren Fragen und Statements zur gelungenen Vortragsreihe bei.
Die guten Gespräche gehen auch noch nach der Veranstaltung beim gemütlichen Teil weiter.
Die Büchereidamen bieten sogar selbst gemixte alkoholfreie Cocktails an.
Wer sich nachschenken oder sie "nachshaken" will, bekommt sogar das Rezept dazu :-)
Ende gut - alles gut! Darauf stoßen wir an!
Aber vielleicht hat man ja schon vor Jahrzehnten damit für Alkoholfreies geworben, von Wein steht ja da nichts auf der Tafel ;-).
Auf alle Fälle schmecken sie erfrischend und köstlich, die Stadtbüchereidrinks!
Dazu kredenzt Karl Schwillinsky herzhafte Aufstrichbrote.
Der Langenloiser Herbst besteht bekanntlich aus vielen Programmpunkten.
Hier wird vielleicht schon die nächste Veranstaltung besprochen: Andreas Nastl wird am Freitag, dem 8. November 2019 mit seinem ersten Solo-Kabarett-Programm "Fräskante" humorvoll punkten.
Alkohol als Tabuthema? Hier diskutiert man über vielleicht über das Phänomen, warum heute relativ wenige Interessierte da waren, obwohl es eine wirklich hochkarätige und gelungene Veranstaltung war.
Wie auch immer: Kulturstadträtin Mag. Brigitte Reiter (rechts im Bild) gratuliert den Veranstaltern samt Protagonisten zu diesem gelungenen Abend mit guten Ansätzen, der zum Nachdenken angeregt hat.
Nach diesem uralten Slogan, den man in der Topothek Langenlois findet, kann eigentlich nichts passieren :-)
(Foto: Topothek Langenlois)
Diese lustige und zum Thema passende Ansichtskarte sieht man dann beim nächsten Vortrag im Arkadensaal Langenlois. Am 6. November 2019, 19 Uhr, erzählt Stadtarchivleiterin Mag. Dorli Demal ihre Fotogeschichte über Loisi (Foto: Topothek Langenlois).


Fotos: Ulli Paur


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