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Beeindruckende "Langenloiser Dialoge"

Die "Langenloiser Dialoge", ein  interessanter Abend im Rahmen des "Langenloiser Herbstes", wo Fragen zu gesellschaftspolitischen oder manchmal auch philosophischen Themen diskutiert werden, fanden heuer am Mittwoch, dem 21. November 2018, zum vierten Mal im Arkadensaal, statt.
Und weil heuer das Motto "Flucht und Hoffnung" ausgegeben wurde und für dieses soziale Thema viel Zusammenarbeit notwendig ist, gab es mit dem Katholische Bildungswerk unter Obfrau Dr. Charlotte Ennser,  LAKULT unter Obmann Matthias Fürpaß und der Stadtbücherei Langenlois mit der Leiterin Ingeborg Pröglhöf-Klein gleich drei Veranstalter, die Dr. Christian Konrad, einstiger Flüchtlingsbeauftragter der Regierung, zur Podiumsdiskussion eingeladen haben. Mit dabei waren auch Gabrielle Erd von der Flüchtlingshilfe Langenlois sowie die Asylberechtigten Lama Rohban, Alireza Jafari und Amin Sayedi, die sich in Langenlois bereits bestens integriert haben und die über ihre schweren Schicksale berichteten.
 

Dieses Motto stand am Kalenderblatt des 21. Novembers 2018 und es passt sehr gut zum Thema der "Langenloiser Dialoge".
Stadtbücherei, Katholisches Bildungswerk und der Verein LAKULT haben drei Asylwerber und Dr. Christian Konrad eingeladen, über das Thema "Flucht und Hoffnung" zu sprechen.
Vielleicht sollte man sich gleich zu Beginn das Zitat von Mutter Theresa verinnerlichen: "Lasse nie zu, dass du jemandem begegnest, der nicht nach der Begegnung mit dir glücklicher ist."
Willkommen geheißen wurden heute alle herzlich, die sich für die Langenloiser Dialoge interessieren.
Und der Gästeandrang war wieder groß, der Arkadensaal voll!
Die Leiterin der Stadtbücherei Langenlois, Inge Pröglhöf-Klein, freut sich über so viel Interesse. Ihr herzlicher Gruß gilt allen, die gekommen sind.
Dr. Charlotte Ennser vom Katholischen Bildungswerk ist es immer ein Anliegen, interessante Menschen zusammenzubringen, neue Aspekte kennenzulernen und das ist auch das Hauptziel dieser Veranstaltung.
Jedenfalls geht es heute einmal mehr um die Kultur des Zuhörens, des Nachdenkens und des Austausches. Sie wiederum begrüßt den Referenten dieses Abends und heißt...
... Dr. Christian Konrad, ehemaliger Flüchtlingsbeauftrager der Regierung, in Langenlois willkommen. Er findet die nicht selbstverständlichen Privatinitiativen in Langenlois in Sachen Integration und Unterstützung von Flüchtlingen im besonderen Maße beeindruckend, die sich auch Jahre danach noch um die Asylwerber kümmern. Beispielgebend und mutmachend bezeichnet er diese ehrenamtlichen Engagements. Damit wird ein unverzichtbarer und wesentlicher Beitrag für das Funktionieren unserer Gesellschaft geleistet, den bei allem Respekt vor allen staatlichen Institutionen, diese alleine nicht schaffen.
Interessante Details erfährt man von ihm, so z.B.: "Factum ist, dass Österreich immer – vor allem die vergangenen 20 Jahre – ein Zuwanderungsland war und ist, denn jährlich wandern 30.000 bis 50.000 Menschen zu. Vor 15 Jahren hatte Österreich 8 Mio. Einwohner, im letzten Jahr hatten wir knapp 8.9 Mio. Einwohner. Die Anzahl der legalen Nichtösterreicher in unserem Land ist von 700.000 auf 1,5 Mio. gewachsen. Die Zahl der Österreicher ist gleich geblieben, d.h. die Österreicher wachsen nicht, wir sterben zwar nicht aus, aber mehr werden wir auch nicht und ohne Zuwanderung ist die Entwicklung der Gesellschaft, der Wirtschaft, des gesamten Staates in Frage gestellt. Wir brauchen in Wahrheit Zuwanderung - die Frage ist nur, wie gehen wir damit um?" Er zeigt auch auf, wie sich die Zuwanderung zusammensetzt: Von den 1,5 Mio. Menschen sind die Hälfte aus der EU (!!) und die Anzahl der Fremdländer (80.000 Türken, 80.000 Serben, Bosnier, dann kommen erst Syrer, Afghanen…). Alle diese Ziffern und Daten beweisen uns ja, dass wir, wenn wir wollen, in der Lage sind, die Menschen, die zu uns kommen und um Hilfe ansuchen, zu integrieren – wir müssen nur wollen.
Er findet es nicht sehr klug, gut integrierte Menschen mutwillig abzuschieben. Nicht nur, dass es persönliches Leid für die Betroffenen und für all jene bedeutet, die sie all die Jahre betreut haben.Es entsteht eine entsprechende menschliche Bindung und wechselseitige Verantwortung.
Die Gesellschaft oder die Wirtschaft, wer immer, leidet darunter. Für ihn ist es daher auch unverständlich, dass die NÖLandesregierung ab 2019 eine Lehrlingsinitiative mit 45 Mio. Euro beschließt, damit man mehr Lehrlinge bekommt. 700 Lehrlinge hätten wir in NÖ und die schieben wir ab. Das versteht eben ein normaler Mensch nicht. Jetzt wird er mit seinem Verein "Österreich hilfsbereit" die Resolution „Das moderne Bleiberecht“ ausarbeiten. "Wir brauchen keine Zustände wie in Frankreich, oder Belgien, oder in Deutschland. Daher ist die Gesellschaft gefordert - wenn jeder wegschaut, dann sind sich die Leute selber überlassen und das führt nicht zum Ziel."
Die Anwesenheit des Bürgermeisters ist für ihn auch ein Zeichen, dass der Gemeindepolitik das heikle Thema nicht egal ist. Er bezeichnet die Bürgermeister sowieso als den Kern der Politik, denn sie sind die wichtigsten Leute mit dem unmittelbar im Kontakt zum Volk.
Weiter geht es mit der interessanten Podiumsdiskussion. Diese drei Menschen aus Afghanistan und Syrien sind Erfolgsgeschichten. Sie sind in Österreich nicht nur gut integriert, sie haben auch alle einen Aufenthaltstitel. Die Flüchtlingshilfe Langenlois verhehlt aber nicht, dass sie auch andere Fälle kennt und diese Fälle belasten die Arbeit. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass man nur von Erfolgen sprechen kann. Man musste von vielen Menschen Abschied nehmen, die man lieb gewonnen hat. Das ist eben emotional und von der menschlichen Seite her eines der größten Probleme.
Gabrielle Erd ist unheimlich stolz auf die drei am Podium und stolz auf die angebotenen Deutschkurse, die wirklich gefruchtet haben, wie man bei diesen drei Mitdiskutanten hört. Es war kein einfaches Unterfangen, so vielen Menschen Deutsch in Wort und Schrift zu erklären, weil es auch welche gab, die überhaupt nicht alphabetisiert waren.
Auch Wolfgang Almstädter, Gründer der Flüchtlingshilfe Langenlois, hier mit den Schwestern der Franziskanerinnen, wurde lobend erwähnt. Wenn man selber ein gesichertes Leben hat, kann man sich nicht vorstellen, wenn man alles aufgeben muss. Wie es ihnen dabei gegangen ist und was der Grund war, schildern die drei Gäste.
Alireza, der bei seiner Flucht nur seine Muttersprache beherrschte, spricht bereits ein sehr gutes Deutsch. Mittlerweile ist er Absolvent des Übergangslehrganges im Borg Krems. Das Borg Krems hat derzeit als einzige Schule in NÖ diese Lehrgänge eingerichtet. Auch heuer startet wieder einer mit drei Teilnehmern aus Langenlois und hier wird den jungen Leuten ermöglicht, einen Pflichtschulabschluss nachzuholen. Eine wirklich dankenswerte Initiative. Alireza ist schon fast fertig.
Er erzählte einige seiner Fluchterlebnisse mit seiner Freundin und seinem Kind, die er beide verloren hat und seine Kontakte zur Polizei in den verschiedenen Ländern. In Österreich ist er dann deshalb geblieben, weil in diesem Land die Polizisten ihn erstmals human behandelt haben.
Lama aus Syrien fällt es nicht leicht, über ihren harten Fluchtweg mit ihrem fünfjährigen Sohn zu sprechen. Sie musste aus Damaskus flüchten, da alles zerbombt war, auch die Schule für ihre Kinder. Und diesen wollte sie ein Leben mit guter Bildung bieten. Sie hat es erst beim fünftem Mal geschafft, mit ihrem kleinstem Kind mit dem Boot über die Türkei, Griechenland und Italien zu kommen. Zehn Stunden musste sie einmal am Meer warten, weil das Boot kaputt war. Da sie weder Geld noch Handy hatte, musste sie den restlichen Weg nach Österreich (Traiskirchen) mehr als drei Wochen zu Fuß schaffen. Ihre Familie mit zwei weiteren Kindern schafften es ebenfalls nach Österreich, wo man sich dann wieder fand.
Wieviel Leid diese Menschen auf sich nehmen mussten, um aus den Kriegsgebieten zu entkommen, ist eigentlich nicht nachvollziehbar.
Heute geht der Sohn in die Volksschule Langenlois, ist voll integriert und spielt sogar in einer Langenloiser Kindertheatergruppe mit.
Amin wurde von den Taliban verfolgt. Er wollte eigentlich mit seiner Familie fliehen, was ihm mit fünf Personen aber nicht gelang. Er ist von Afghanistan mit Schleppern über den Iran in die Türkei und von dort nach Griechenland gekommen und dann mit einem Boot nach Italien und mit dem Zug nach Österreich. Er wollte in einem Land ohne Angst leben, da ihm in Österreich das Geld ausgegangen ist, blieb er hier.
Diese Schilderungen machen betroffen.
Alireza, der keiner Glaubensgemeinschaft angehört, hatte dadurch große Schwierigkeiten und kam dafür ins Gefängnis, wo die Polizei nicht sehr höflich mit ihm war, schilderte er. In Österreich will er bleiben und einen Beruf im Pflegebereich ergreifen, denn ihm haben so viele Menschen hier geholfen und er will diese Hilfe dankend zurückgeben.
Er entlockte dem Publikum ein Lachen, als er über die österreichische Polizei sprach, die ihn sehr anständig behandelt hat. Da hat er gewusst: Jetzt ist er in Europa und und Sicherheit.
Dr. Konrad wurde abschließend für seine erfrischenden, ehrlichen Statements gedankt.
Auch von Kulturstadträtin Mag. Brigitte Reiter kommt bei der Saal-Diskussionsrunde eine kurze Anmerkung: Ihr tut es etwas leid, dass jene, die die wichtigen Entscheidungen treffen, nicht da sind. Sie nimmt vom heutigen Abend mit: Es braucht Hausverstand, ein offenes Herz, die Bereitschaft zuzuhören, was gebraucht wird und eine gewissen Hartnäckigkeit, die sehr wichtig ist für Personen, die mit lauteren Herzen bereit sind, auf einen Fremden zuzugehen und sich einbringen. Das vermisst sie in der heutigen Gesellschaft und in der Bundesregierung. Daher hofft sie, dass sich Dr. Konrad mit seinem Verein weiterhin ambitioniert für diese Asylwerber einsetzt.
Diese Gedanken und Fragen wurden kurz beleuchtet.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion gab es beim gemütlichen Teil noch viele weitere Fragen.
Reden lernt man durch reden, wusste schon Cicero - daran hat sich in den mehr als zweitausend Jahren nichts geändert!
Darum treffen sich in Langenlois auch zwei "Schönberger" und reden über alte Zeiten.
Das Lächeln, das du aussendest, kehrt zu dir zurück. Diese indianische Weisheit gilt weltweit.

Diese drei Gemeindemandatare gratulieren ihrer Kollegin Christine ULRICH zum Geburtstag.
Hier wird auf das Wohl der Asylwerber angestoßen, mögen sich deren Wünsche und Hoffnungen erfüllen.
... den Armin hat es so treffend zum Abschluss auf den Punkt gebracht: "Keine Menschen besser als anderer, wir sind alles gleich und wir konnen unter einem Dach leben. Angst muss nicht sein vor uns, egal welche Religion und welche Haut." Mit diesem schönen Bild "unter einem Dach zu leben", wurde ein schönes Schlusswort gesprochen.



Fotos: Ulli Paur


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